Der Wald von Morgen – Auf Tour mit Ben Tüxen

Mitte Oktober 2020. Der Sonntag sollte laut Wetterbericht regnerisch werden. War er aber nicht. Schön! Den es ging wieder einmal für eine kleine Tour raus in den Wald. Aber dieses mal nicht solo, wie sonst bei mir üblich, sondern zusammen mit 13 anderen Outdoor-Interessierten. Eine geführte Wanderung in den heimischen Wäldern im Kreis Siegen-Wittgenstein. Warum eine geführte Wanderung in den Wäldern, in denen ich mich eigentlich auskenne? Ganz einfach: Der Forstwissenschaftler M.Sc (TUM) Benjamin Tüxen ist derjenige, der die Führung anbietet. Vielen ist Ben durch seinen Youtube-Kanal „EinMannImWald“ bekannt. Die Tour steht unter der Überschrift „Wie sieht der Wald von Morgen aus?“

Ben Tüxen im Seitenprofil

Kurz vor der Tour

Die Tour startete um 11:00 Uhr an einem Treffpunkt nordöstlich von Siegen im Wald. Der Ort des Treffens war den Teilnehmern zuvor per E-Mail mit enthaltener Karte bekannt gemacht worden. Diesen Treffpunkt kannte ich bereits vorher, da ich die gleiche Tour mit Ben bereits im Juni 2019 einmal gelaufen bin. Insofern konnte ich ganz entspannt zu einem circa 2,5 km entfernten Parkplatz mit dem Auto anreisen, ohne mich neu orientieren zu müssen. Ich wusste ja, wo ich hin musste.

Also, Auto abgestellt und Rucksack auf den Rücken. Nur wenige Augenblicke später kam eine junge Frau auf mich zu. Sie fragte, ob ich mich hier auskennen würde… Ja, ich kannte mich aus. Da sah ich bereits in ihrer Hand eine ausgedruckte Karte in der der gleiche Treffpunkt eingezeichnet war, den ich auch ansteuerte. „Ah, Du läufst auch die Tour mit Ben Tüxen?“ – „Ja!“. Also gingen wir die wenigen Kilometer zum Treffpunkt gemeinsam.

Der vereinbarte Treffpunkt füllte sich langsam mit den übrigen Teilnehmern. Von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg sind sie angereist. Untereinander kannte sich vorher keiner. Die Zuschauer von Bens Youtube-Kanal sind zwar grundverschieden, aber da das gemeinsame Interesse am Wald bei allen vorhanden ist, kommt man schnell untereinander ins Gespräch. Das war bei der Tour in 2019 so und bei dieser Tour auch. Tolle Truppe!

Nach der kurzen Einführung von Ben am Treffpunkt ging es direkt los…

Die Tour

Ben Tüxen erläutert einiges geologische zum rheinischen Schiefergebirge

Auf der ganzen Tour gab es immer wieder interessante Stopps. Ben Tüxen erläuterte verschiedene Dinge zu Holzeigenschaften, Holzwachstum und sonstigen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus gab es interessante geologische Informationen zum rheinischen Schiefergebirge, in dem die Tour stattfand. Ben erläuterte dies jeweils an konkreten regionalen Beispielen in der Umgebung und visualisierte es für die Teilnehmer zusätzlich mit mitgebrachtem Bildmaterial.

Weiter ging es für die ganze Mannschaft zunächst immer…

„Bergauf!“

Bergauf mit mehreren Teilnehmern und Ben Tüxen

Zwischendurch gab es viele Hintergrundinformationen von Ben zu allen möglichen Themen. Hier mal ein kleiner Zwischenstopp – unter anderem zum Thema „Rückeschäden“…

Sobald am Wegesrand etwas „Interessantes“ zu sehen war, gab es von Ben auch direkt das passende solide Fachwissen dazu.

Ben Tüxen zeigt Interessantes am Wegesrand

Hier beispielsweise eine Fichte mit „Trockenstress“. Dieser Baum schafft es nicht mehr, das erforderliche Wasser bis in die Baumkrone „hoch zu ziehen“. Daher die Schäden, die man in der Baumkrone des Baumes sehen kann. Eigentlich ganz logisch und nachvollziehbar, wenn man es einmal weiß…

Fichte mit Trockenstress und Schäden in der Baumkrone

Arten der Waldbewirtschaftung

Auch zu verschiedenen Waldbewirtschaftungsarten gab es viele tiefer gehenden Informationen. Nachfolgend ein historischer Hauberg. Ein Waldstück, das mit einem Eichen-Birken-Niederwald bewirtschaftet wird.

Nach den jeweiligen längeren und kürzeren – aber immer kurzweiligen – Info-Stopps ging es wieder weiter bergauf…

Bergauf mit den Teilnehmern und Ben Tüxen

Auch für kleinste Fragen zwischendurch nahm sich Ben Tüxen Zeit zur Beantwortung

Da kommt ein kleiner Spross aus einem abgesägten Baumstumpf

Zwischendurch nahm sich Ben für jede noch so kleine Frage der Teilnehmer ausreichend Zeit zur Beantwortung… Wenn die Frage sehr individuell war, dann hat Ben sie zwischendurch während des Gehens beantwortet. Wenn die Antwort auf die Frage für die übrigen Teilnehmer auch interessant war, dann blieben wir kurz stehen. Danach ging es wieder bergauf…

Erwähnte ich eigentlich schon, dass es danach wieder bergauf ging 😉

Der Borkenkäfer

Ein weiteres spannendes Thema waren auch die Schäden, die der Borkenkäfer in den Fichtenreinbeständen angerichtet hat und leider noch weiter anrichtet. Ein Waldstück, das der dort zuständige Förster im Vorjahr augenscheinlich noch mit sehr viel Aufwand und Mühen mit verschiedensten Maßnahmen (Lockmittelfallen, Schneisen, Verbrennen der mit Käfern besetzten Äste und Rinden, usw.) versucht hat zu retten, war nun leider auch den Käfern zum Opfer gefallen. Zwischendurch konnten wir als positiven Kontrast dazu aber auch eine Fichte im Laubwald sehen, der es immer noch prächtig ging.

Fast „Urwald“

Dann der graduelle Übergang in einen sehr alten naturgemäßen Buchenwald, der schon fast den Charakter eines „Urwaldes“ hat. Dieser Wald ist schon sehr lange aus der Nutzung genommen. Hier gibt es auch ein paar sehr spezielle Waldorte und historische Besonderheiten zu sehen.

Was das Highlight genau ist, verrate ich hier aber nicht. Zum einen um den genauen Ort der Tour nicht zu verraten und zum anderen möchte ich hier nicht spoilern… Vielleicht möchte ja der ein oder andere von Euch diese empfehlenswerte Tour mit Ben einmal mitlaufen… Ihr findet die jeweils angebotenen Touren und Termine auf der Internetseite von Ben Tüxen unter https://www.einmannimwald.de

Ein sehr naturnaher Buchenwald

Die Bedeutung von Totholz, dessen Bewohner und Pilzen für die Artenvielfalt im Wald…

…und auch das natürlich mit ganz konkreten Beispielen. Die jeweils relevanten Tiere, die wir nicht live sehen konnten, hat Ben zur Veranschaulichung per Foto gezeigt.

Da wir bis jetzt immer „bergauf“ gegangen sind, kamen wir ab jetzt in den Genuss, die restliche Tour „bergab“ gehen zu können.

„Bergab!“

Teilnehmer und Ben Tüxen unterwegs

Natürlich auch wieder mit interessanten Stopps mit vielen Fachinformationen zu den unterschiedlichsten Themen, den verschiedensten heimischen Baumarten und wie es den jeweiligen Baumarten hier aktuell geht.

Waldferndiagnose

Bei einem Aussichtspunkt gab es auch das Thema „Ferndiagnose“ vom Wald. Unter anderem zu den Fragen: Welche Waldbestände gibt es hier? Wie kann man Douglasie und Fichte aus der Ferne unterscheiden? Woran erkennt man den „typischen“ gepflanzten Nadelwald? Woran erkennt man den eher natürlichen Laubwald?

Eine invasive Art am Wegesrand

Anschließend kamen wir noch an einem Bestand von invasivem japanischen Staudenknöterich vorbei. Auch zu diesem hatte unser Lieblingsforstwissenschaftler Ben Tüxen einige Informationen für uns parat.

Der invasive japanische Staudenknöterich

Danach ging es weiter und wir schauten uns andere Waldbilder an, die in Zukunft eine Rolle spielen könnten. Zu diesen gibt es hier jetzt keine Spoilerbilder. Es soll ja für die nächsten Teilnehmer auch interessant bleiben 😉 Es konnte jeder Sehen, Fühlen und Riechen!

Ein Loch im Wald

Jetzt gab es umfangreiche Informationen zur Thematik der Bodenkunde. Auch hier waren die theoretischen und fachlichen Inhalte der Tour mit praktischen Beispielen zum Sehen und selber Fühlen angereichert. Auch die Arbeit mit einem bodenkundlichen Labor und die Ermittlung von Parametern wie pH-Wert kommt hier nicht zu kurz… Ben mag Löcher im Wald! 😉

Es gab viele weitere interessante Informationen zur Rotwild- und Rehwildproblematik und auch ein ideales Beispiel für den möglichen Bergwald der Zukunft. Danach kam gegen Ende der Tour der weitere Abstieg bis zum Startpunkt der Tour. Auch auf dem letzten Stück kamen viele inspirierende Gespräche auch zwischen den Teilnehmern untereinander auf.

M. Sc. (TUM) Benjamin Tüxen

Fazit

Insgesamt eine absolut empfehlenswerte Tour. Ben ist fachlich kompetent und einer der wenigen Youtuber, die in ihren Videos durch qualitativ gute Inhalte glänzen können. Er braucht dafür keinerlei „Special-Effects“ oder Klickbait-Tricks. Gefühlt kommt er bei jedem Video auch mit einer einzigen Kameraeinstellung aus. Und er spielt in seinen Videos keine „Rolle“. So sympathisch, wie er in seinen Videos scheint, so ist er in natura auch tatsächlich.

An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank an Ben und die anderen Teilnehmer für den tollen Sonntag!

Bleibt gesund!

PS:

Hier findet Ihr noch den Link auf ein umfangreiches Video von Ben über die Ausgestaltung der Führung: https://youtu.be/bmbIlBz1sYo

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