Wo sind Naturschutzgebiete? Von Schildern, Karten und WMS (Web Map Service) mit Google Earth…

Wenn Du gerne querfeldein durch die Wälder streifst, dann musst Du Dir zwangsläufig in jeder neuen Gegend zunächst die Frage stellen: „Ist hier ein Naturschutzgebiet?“ Wenn ja, dann hat sich das „Querfeldein“ direkt erledigt. Egal ob Du Bushcrafter, Pilzsammler, Geocacher oder Mountainbiker bist – oder auch aus irgendeinem anderen Grund die Wege verlassen möchtest. Die Verordnungen der meisten Naturschutzgebiete sehen ein Wegegebot vor und Du bist neben anderen Ge- und Verboten somit strikt an die vorhandenen Wege gebunden. Empfindliche Strafen drohen bei Zuwiderhandlung.

Wie Du erkennst, wo sich ein Naturschutzgebiet befindet, das erfährst Du in diesem Beitrag…

Hinweisschild Naturschutzgebiet in der Nähe von Aue-Wingeshausen

Kennzeichnung von Naturschutzgebieten im Gelände

Damit man als Naturbesucher weiß, dass ansonsten vorhandenen Rechte (wie z.B. das allgemeine Betretungsrecht des Waldes) eingeschränkt sind, werden Naturschutzgebiete vor Ort mit entsprechenden Schildern gekennzeichnet. Die Schilder sind bundesweit allerdings nicht einheitlich, da die Konzeption der Beschilderung den einzelnen Bundesländern überlassen wurde. In den westlichen Bundesländern sieht man überwiegend den Seeadler auf entsprechenden Schildern (siehe obiges Bild). In den östlichen Bundesländern findet man ein Eulensymbol.

Der Vorteil einer Beschilderung ist, dass Du auch in unbekanntem Terrain sofort erkennen kannst, dass ein Naturschutzgebiet beginnt. Der Nachteil ist allerdings, dass häufig zwar gut beschildert ist, wo ein Naturschutzgebiet beginnt – das heißt Du siehst gut, wenn Du das Schutzgebiet betrittst… Schnell übersehen kannst Du aber, wo das Naturschutzgebiet „endet“. Eine Schild „Ende des Naturschutzgebietes“ gibt es nicht 😉

Häufig gibt es an den Wegen im Naturschutzgebiet selbst noch Hinweistafeln mit näherer Erläuterung des Schutzzweckes.

Darüber hinaus stehen die Schilder natürlich nicht mitten in der Landschaft. Wenn Du vorher bereits „querfeldein“ unterwegs warst und dann „durch die Wildnis“ in ein Naturschutzgebiet kommst, wirst Du es nicht erkennen.

Wie eigentlich immer, so gilt aber auch hier der Grundsatz „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Daher solltest Du bereits bei Deiner Tourenplanung darauf achten, ob ein Naturschutzgebiet in Deiner Route liegt. Beispielsweise mit entsprechendem Kartenmaterial.

Naturschutzgebiete in Wanderkarten

In jeder guten Wanderkarte sind Naturschutzgebiete eingezeichnet. Häufig erkennst Du die Grenzen des Schutzgebietes als eine grüne dicke Linie. Im unten gezeigten Beispielbild zeigen von der dicken grünen Linie jeweils senkrecht stehende kleine Linien in das Innere des Schutzgebietes.

Ausschnitt Wanderkarte mit Naturschutzgebiet Melbecke und Rübenkamp

Interaktives elektronisches Kartenmaterial

Auch wenn die „gute alte Wanderkarte“ in Papierform nicht ausgedient hat, so greift man doch mittlerweile immer häufiger auf digitale Varianten zurück. Neben diversen „offline“-Varianten, bei denen das Kartenmaterial vorab im (Navigations)gerät gespeichert wird, gibt es auch eine tolle interaktive Online-Übersichtskarte zu Naturschutzgebieten. Diese wird Dir kostenfrei vom Bundesamt für Naturschutz zur Nutzung zur Verfügung gestellt.

Du findest die Kartenanwendung des Bundesamtes für Naturschutz hier: https://geodienste.bfn.de/schutzgebiete?lang=de

Das ist schon eine prima Sache. Mittlerweile sind sehr viele Geodaten von offiziellen Stellen zur freien privaten Nutzung im Internet verfügbar.

Noch schöner ist, dass auch viele Daten (auch die des Bundesamtes für Naturschutz) als standardisierter „Web Map Service“ zur Verfügung gestellt werden. Ein „Web Map Service“ oder auch kurz WMS ist ein Dienst, der Dir individuell aufbereitete Ausschnitte von elektronischem Kartenmaterial nach Anforderung zur Verfügung stellt. In einer Form, die von anderen Programmen weiterverarbeitet werden kann.

Du sagst dem WMS beispielsweise vereinfacht sowas wie: „Gib mir eine Karte vom Gebiet X in der Größe Y und zeichne da A,B und C ein…“ und der WMS liefert Dir eine entsprechende Karte zurück. Da diese Dienste standardisiert sind, kannst Du z.B. auch problemlos unterschiedliche Dienste von unterschiedlichen Anbietern kombinieren. Du legst dann mehrere Kartenebenen (Layer) übereinander und erhältst im Ergebnis eine Karte mit genau den von Dir gewünschten Informationen. Hört sich kompliziert an? Ist es aber gar nicht. Ich zeige Dir das mal an einem konkreten Beispiel…

Ich nutze zur Tourenvorbereitung immer gerne Google Earth. Es wäre doch schön, wenn man da sofort sehen könnte, wo Naturschutzgebiete sind… Kein Problem, denn Google Earth kann auch WMS für Dich integrieren:

Darstellung von Naturschutzgebieten via Web Map Service (WMS) des Bundesamtes für Naturschutz in Google Earth

Wähle in Google Earth den Menüpunkt "Hinzufügen" und dann "Bild-Overlay"
  1. Wähle in Google Earth den Menüpunkt „Hinzufügen“ und dann „Bild-Overlay“
Vergib einen aussagekräftigen Namen... z.B. "Naturschutzgebiete Deutschland"
  1. Vergib einen aussagekräftigen Namen… z.B. „Naturschutzgebiete Deutschland“
Wähle die Registerkarte "Aktualisieren" und klicke auf den Button "WMS-Parameter"
  1. Wähle die Registerkarte „Aktualisieren“ und klicke auf den Button „WMS-Parameter“
Klicke auf den Button "Hinzufügen" um einen neuen WMS-Dienst hinzuzufügen
  1. Klicke auf den Button „Hinzufügen“ um einen neuen WMS-Dienst hinzuzufügen

Gib die URL "https://geodienste.bfn.de/ogc/wms/schutzgebiet" ein (ohne Anführungszeichen) und klicke auf "OK"
  1. Gib die URL „https://geodienste.bfn.de/ogc/wms/schutzgebiet“ ein (ohne Anführungszeichen) und klicke auf „OK“
Du erhältst eine Übersicht der verfügbaren Kartenlayer. Klick hier mit einem Doppelklick auf "Naturschutzgebiete" um diese Ebene auszuwählen.
  1. Du erhältst eine Übersicht der verfügbaren Kartenlayer. Klick hier mit einem Doppelklick auf „Naturschutzgebiete“ um diese Ebene auszuwählen.
Verlasse das Auswahlfenster wieder mit "OK"
  1. Verlasse das Auswahlfenster wieder mit „OK“
Du gelangst wieder in das Einstellungsfenster des Bild-Overlays zurück.
  1. Du gelangst wieder in das Einstellungsfenster des Bild-Overlays zurück.
Ersetze im Link den Dateityp "gif" durch "png". (Dies ermöglicht eine verbesserte Darstellung bei der Transparenz. 
Den Schieberegler "Transparenz" schiebst Du in Richtung Mitte (damit die Schutzgebiete nicht einfarbig angezeigt werden, sondern das Google Earth-Bild durchscheint)
Die "Ansichtsgrenzenskalierung" stellst Du auf den Wert "1" ein
Dann auf "OK"
  1. Ersetze im Link den Dateityp „gif“ durch „png“. (Dies ermöglicht eine verbesserte Darstellung bei der Transparenz.)
  2. Den Schieberegler „Transparenz“ schiebst Du in Richtung Mitte (damit die Schutzgebiete nicht einfarbig angezeigt werden, sondern das Google Earth-Bild durchscheint)
  3. Die „Ansichtsgrenzenskalierung“ stellst Du auf den Wert „1“ ein
  4. Dann auf „OK“

Fertig!

Wenn Du in Google Earth jetzt irgendwo für 4 Sekunden „stehen bleibst“, dann greift Google Earth auf den Web Map Service des Bundesamtes für Naturschutz zu. Google Earth holt sich dann die für den Bildschirmausschnitt passende Karte der Naturschutzgebiete (in grüner Darstellung) und legt diese halbtransparent über das Satellitenbild. Diesen WMS-Dienst brauchst Du natürlich nur ein einziges Mal in Google Earth einzurichten. Danach passiert der Zugriff automatisch.

Das Ganze schaut dann bei den obigen Einstellungen so aus:

Screenshot aus Google Earth mit halbtransparentem Bild-Overlay eines Naturschutzgebietes. Geholt per WMS vom Bundesamt für Naturschutz

So kannst Du bereits bei der Tourenvorbereitung erkennen, wo Naturschutzgebiete sind.

Im Netz findest Du im Übrigen noch eine ganze Reihe weiterer interessanter WMS-Dienste, die Du in Google Earth „einbauen“ kannst. Beispielsweise zu Flurstücken, Liegenschaftskarten, Deklination, etc…

Und jetzt genug am Schreibtisch gehockt! Viel Freude draußen und bleib gesund!

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