Fichtenreizker – minderwertig oder lecker?

Heute soll es einmal wieder um einen essbaren Pilz gehen – den Fichtenreizker, der manchmal auch Nadelwaldreizker genannt wird. Auf „schlau“ heißt der Fichtenreizker im Übrigen „Lactarius deterrimus“. Bei den Milchlingen (Lactarius) handelt es um eine sehr artenreiche Pilzgattung aus der Familie der Täublingsverwandten. Wer des Lateinischen mächtig ist, oder weiß, wie er eine Suchmaschine bedient, wird schnell herausfinden, dass „deterrimus“ ins Deutsche übersetzt „der Schlechteste“ heißt. Damit ist die Frage, ob minderwertig oder lecker doch schon geklärt… Oder vielleicht doch nicht?

oranger Fichtenreizker mit Blick auf die Lamellen

Der Fichtenreizker fällt aufgrund seiner hell-orangen bis safranfarbenen Farbe im Fichtenforst schon ein wenig auf – Wobei man ihn eigentlich häufiger nicht mitten im Wald, sondern eher am Wegesrand von Fichtenwäldern findet. Da es sich bei dem Reizker um einen Mykorrhizapilz handelt, der eine Symbiose mit „seinem“ Baum eingeht, ist die Fichte allerdings nicht weit entfernt. Steht am Wegesrand ein wenig Gras, dann ist meiner Erfahrung nach der Fichtenreizker meist auch nicht weit weg. Er ist in der EU insgesamt weit verbreitet und lässt sich vorrangig in den Monaten August bis November finden.

Der Hut des Pilzes ist bis zu 10 Zentimeter breit. In jungen Jahren ist er gewölbt und der Rand eingebogen. Mit zunehmendem Alter des Fichtenreizkers wird er flacher und zeigt eine charakteristische niedergedrückte Mitte. Konzentrisch gezont ist die Hutoberfläche insbesondere in der Mitte mehr oder weniger grünlich bis grau-grünlich gefärbt.

Fichtenreizker mit Blick auf den Hut mit grünlicher Färbung

Die Lamellen sind dicht stehend am Stiel angewachsen. Außer bei jungen Exemplaren ist der Stiel der Fichtenreizkers innen hohl. Wenn man den Pilz abschneidet, tritt an der Schnittstelle eine orangerote Milch aus. Diese Milch verfärbt sich nach circa 15 bis 20 Minuten weinrot. Alle Milchlinge mit roter Milch sind essbar… Es gibt aber kleine Helmlinge, die auch eine rote Milch haben. Diese sind nicht essbar.

Dazu auch noch einmal der Hinweis: Dies ist keine Verzehrfreigabe und keine Anleitung zur Pilzbestimmung! Das Pilzesammeln birgt immer ein schlimmstenfalls tödliches Risiko. Sammele nur die Pilze, die Du einwandfrei bestimmen kannst und als essbar bekannt sind!

Blick auf den Fichtenreizker mit Blick auf Lamellen und Stiel

Jetzt ist aber immer noch die Frage offen, ob der Fichtenreizker denn nun minderwertig oder lecker ist… ?

Meine Antwort dazu: Zwischen den verschiedenen Reizker-Arten, die man auch gut an ihrem jeweiligen „Baumfreund“ unterscheiden kann (Sprich: Mykorrhiza-Partner), ist der Fichtenreizker der am wenigsten „edle“. Er ist sehr schnell von Maden befallen. Deshalb bietet es sich an, direkt beim Suchen der Pilze auf einen möglichen Madenbefall zu achten und nur junge, gute Exemplare mitzunehmen. Wenn sich der Stiel sehr weich anfühlt, dann ist ein Madenbefall wahrscheinlich. Ich habe mir angewöhnt, direkt im Wald bereits den Stiel zu entfernen und mir den jeweiligen Pilz genauer anzusehen. Den Stiel selbst nutze ich nicht.

Das soll den Fichtenreizker aber nicht wirklich in seiner Eigenschaft als sehr gutem Bratpilz schmälern.


Das ist ein wenig so wie bei Rosenkohl. Kennt ihr das? Es gibt nur Leute, die ihn entweder lieben, oder aber verabscheuen. Zumindest glaube ich das 😉 … Das ist bei dem Fichtenreizker wohl ein wenig ähnlich. Ich kenne nur Leute, die ihn lieben und Leute, die ihn gar nicht mögen. So etwas „dazwischen“ habe ich noch nicht gefunden. Nur dass ihr mich hier richtig versteht… Der Fichtenreizker schmeckt nicht nach Rosenkohl, sondern hat einen angenehmen würzigen Geschmack. Am besten eignet er sich meiner Meinung nach als Einzelgericht gebraten. Für eine Pilzmischpfanne finde ich ihn weniger geeignet.

Ich brate die Hüte des Fichtenreizkers einfach in der Pfanne mit ein wenig Öl oder Butter auf der Lamellenseite wenige Minuten. Danach wenden und die andere Seite braten. Nun noch die jetzt oben liegende Lamellenseite mit einer guten Portion Salz und ggf. Pfeffer nach eigenem Gusto würzen. Fertig! Lecker! Probiert es doch einfach mal aus…

gebratene Fichtenreizker-Hüte mit Salz und Pfeffer auf einem Teller angerichtet

Kürzlich habe ich noch gelesen, dass ein wenig geriebener Käse darüber gestreut auch sehr gut schmeckt. Das kommt jetzt auf meine ToDo-Liste für den nächsten Fichtenreizker-Fund.

Wenn Euch der Fichtenreizker auch sehr gut schmeckt, dann wundert Euch nicht, dass Euer Urin am nächsten Tag bei übermäßigem Genuss eine rötliche Farbe bekommt 😉 Das ist ähnlich wie beim Essen von Roter Beete. Der Farbstoff wird einfach ausgeschieden. Völlig ungefährlich.

PS: Habt Ihr noch mehr Lust auf gebratene Pilze? Dann schaut Euch mal den Parasolpilz an…

Guten Appetit und bleibt gesund!

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