Hambach See

Heute berichte ich Dir von einem interessanten, aber auch nicht ganz unumstrittenen Projekt – dem Hambach See. Du hast von diesem See noch nichts gehört? Den gibt es auch noch nicht…

Hambacher Forst

Auch wenn Dir der Hambach See vielleicht (noch) nichts sagt… der Hambacher Forst ist Dir vielleicht eher ein Begriff. Ja, genau! Das ist das Waldstück an das bis in das Jahr 2019 im Rahmen des Braunkohletagebaus bis auf 50 Meter an die Waldkante heran gebaggert wurde. Dort haben sich damalig zahlreiche Aktivisten in Baumhäusern verschanzt um gegen die weitere Abholzung des Waldstücks zu demonstrieren.

Der wochenlange Großeinsatz von tausenden von Polizisten bei der Räumung des Hambacher Forsts im September 2018 hatte damals auch ein großes mediales Interesse erzeugt.

Im Herbst 2025 habe ich mir das Waldstück selbst auch einmal angeschaut… Die Spuren des Protestes sind noch immer unübersehbar. Es gibt an einigen Stellen immer noch Bauten die augenscheinlich auch weiterhin „in Nutzung“ sind…

Hambach See

Der Hambach See ist die geplante Folgenutzung des Geländes des Braunkohletagebau Hambach im Rahmen seiner zukünftig anstehenden Rekultivierung.

Blick auf den Tagebau Hambach. Du siehst einen Schaufelradbagger und die große Abbaumulde in der der Hambach See entstehen soll.

Die riesige Abbaumulde wird in einen See verwandelt. Und wenn eine riesige Mulde in einen See verwandelt wird, dann wird das auch ein riesiger See! Mit einer Größe von 3.500 Hektar und vom Volumen (43km³) dann nach dem Bodensee der zweitgrößte See in Deutschland!

„Mal eben volllaufen lassen“ geht aber nicht. Das Füllen wird circa 40 Jahre dauern. Der geplante Start ist 2030 – Die finale Seespiegelhöhe ist somit dann irgendwann um das Jahr 2070 erreicht. Drückt mir mal die Daumen, dass ich dann hier an dieser Stelle berichten kann, dass ich „früher mal“, den Boden des Sees gesehen habe, der nun an seiner tiefsten Stelle 320 bis 360 Meter tief ist 😉

Blick von oben auf den Tagebau Hambach. Du siehst die riesige Abbaumulde in der der Hambach See entstehen soll. Eingezeichnet sind auch die Gemeindegrenzen.

Da die Mulde trichterförmig ist, füllt sich der schmalere untere Bereich vergleichsweise schnell. Eine erste Nutzung des Sees wird somit vermutlich bereits 10 Jahre nach Beginn der Füllung möglich sein. Eine schöne Übersicht über die Planung findest Du hier: https://www.neuland-hambach.de/planung/hambach-see

Wie gelangt den nun eine so große Wassermenge zur Füllung dort hin? Das vorhandene Grundwasser reicht nicht aus. Bis zum Füllungsstart in 2030 wird eine 45 Kilometer lange Rheinwassertransportleitung von Dormagen aus gebaut. Das Wasser soll also aus dem Rhein kommen. Immer dann, wenn der Rhein ausreichend Wasser führt, wird somit aus dem Fluss Wasser abgezweigt. Flexibel bis zu 13,8m³ pro Sekunde.

Kritiker des Projektes befürchten jedoch, dass die Wasserqualität des Rheins nicht gut genug ist und durch Chemikalien- und Medikamentenreste belastet sei. Sie fordern eine Filterung des Wassers bevor es in den Tagebau eingeleitet wird. Projektbefürworter verweisen allerdings auf amtliche Wasserproben, die eine solche Belastung bislang nicht bestätigt haben. Zudem würde die Wasserqualität auch einem laufenden Monitoring unterworfen.

An dieser Stelle empfehle ich Dir zum Thema Wasserqualität und Filterung auch meinen Artikel zum Thema Wasserversorgung beim Wandern.

Blick auf den Tagebau Hambach. Du siehst die große Abbaumulde in der der Hambach See entstehen soll von der zukünftigen Uferböschung aus.

Terraforming – Gut oder schlecht?

Schnell stellt sich die grundsätzliche Frage, ob ein solch großer menschlicher Eingriff in die „Natur“ positiv oder negativ ist. Welche Folgen hat es? Überwiegen neben den offensichtlichen Vorteilen für zukünftige Freizeitnutzung und Erhöhung des Grundwasserspiegels auch neu geschaffene Biotope oder werden andere Fließgewässer-Ökosysteme durch die Wasserentnahme aus dem Rhein zerstört? Hier wird sich jeder sein eigenes Bild machen müssen… Wissen werden wir es erst in einigen Jahrzehnten.

Ich persönlich sehe im Projekt „Hambach See“ mehr Vor- als Nachteile und werde es in den nächsten Jahren gespannt verfolgen…

Wenn Dich ein „Positiv-Beispiel“ für Terraforming interessiert, dann empfehle ich Dir gerne die öffentliche Führung des Forstwissenschaftlers Ben Tüxen (www.einmannimwald.de) in Leck in Schleswig-Holstein. Du kannst dort live erleben, wie menschliche Eingriffe mit bodenverändernden Maßnahmen vor vielen Jahren anstatt zu eintöniger Monokultur zu Vielfalt im Wald geführt haben… sehr interessant!

Viel Freude draußen!

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