Warum sind Löcher im Baum? Spalten, Risse…

In meinem heutigen Beitrag geht es um Löcher, Spalten, Risse und sonstige „Beschädigungen“ an Bäumen. Wo kommen sie her?

Loch im Baum. Dort war früher ein Ast.

Woher kommen diese „Beschädigungen“?

Wenn Du im Wald mit „offenen Augen“ unterwegs bist, dann fällt Dir sehr schnell auf, dass es einige Bäume mit Löchern gibt. Manchmal siehst Du auch Spalten, Risse oder andere „Beschädigungen“. Gehen wir heute einmal der Frage auf den Grund, woher sie kommen…

Ursache 1: „Da war früher mal ein Ast…“

Wenn bei einem Laubbaum ein Ast abgeschnitten oder abgebrochen ist, wirft der Baum den toten Ast (oder das was von ihm noch übrig ist) nach einiger Zeit selbstständig ab. Je nach Dicke des Astes solltest Du Dich besser dann nicht darunter befinden 😉 . Nicht umsonst werden solche Äste auch als „Witwenmacher“ bezeichnet. Aber um diese Gefahr soll es heute ja gar nicht gehen.

Im Inneren eines Baumstammes (und auch eines Astes) sind die Holzzellen tot. Nur in einer sehr dünnen Schicht zwischen dem Kern des Astes und der Rinde sind die Zellen lebendig und können wachsen. Diese Schicht heißt Kambium.

Da in der Natur alles was tot ist früher oder später zersetzt wird, entsteht in der Mitte (dort wo der Kern des Astes war) ein Loch. Das lebendige Kambium im äußeren Bereich produziert neue Holzzellen und „überwallt“ damit nach und nach das Loch. Daher sieht der äußere Bereich des Loches wulstig aus. Das dauert natürlich einige Jahre. In der Zwischenzeit können sich holzzersetzende Pilze weiter um das tote Innere kümmern…

Einen holzzersetzenden Pilz aus dem Du einen leckeren Tee herstellen kannst, habe ich Dir hier bereits einmal vorgestellt… Den Chaga.

Chaga in einer Birke.

Aber ich schweife ab. Weiter geht es mit einer weiteren möglichen Ursache für Löcher im Baum.

Ursache 2: „Löcher durch Tiere auf Nahrungssuche nach anderen Tieren“

Faustgroße Löcher in Bodennähe… Hier war vermutlich der Schwarzspecht aktiv. Es ist nicht unüblich, dass der Schwarzspecht in dieser geringen Höhe auf Nahrungssuche nach Käfern und Ameisen geht. Nicht nur bei morschen Bäumen. Manchmal gibt es die Löcher auch an gesunden Bäumen. Der Specht holt sich dann im Nachhinein die Insekten, die im austretenden Harz kleben bleiben.

Löcher im Baum. Da war ein Specht auf Nahrungssuche.

Ursache 3: „Löcher durch Tiere die sich vom Baum selbst ernähren“

Wenn Du stecknadelkopfgroße Löcher in der Rinde siehst, dann war der Borkenkäfer am Werk. Außen am Stamm findest Du auch noch das Bohrmehl. Die Fichten-Borkenkäfer-Massenvermehrung der letzten Jahre in bislang noch nicht dagewesener Intensität ist Dir vermutlich nicht entgangen…

Die Borkenkäfer bohren sich durch die Rinde bis in das lebende Gewebe des Baumes. Aufgrund der sehr hohen Käferdichte wird die Wasserzufuhr des Baumes nachhaltig gestört und der Baum stirbt letztendlich ab.

Ursache 4: „Löcher von Tieren die sich Nistplätze bauen“

Allen voran ist auch hier der Specht als Baumeister wieder aktiv. Die Löcher sind aber in einigen Metern Höhe, damit die Bruthöhlen vor möglichen Fressfeinden besser geschützt sind. Wenn der Specht die Höhle final verlässt, dann wird diese von anderen Tieren als Nistplatz übernommen. Beispielsweise von verschiedenen Eulenarten, Hohltauben oder auch Kleinsäugern wie Eichhörnchen oder Siebenschläfer.

Ursache 5: „Blitzschlag“

Siehst Du längliche Löcher, die so aussehen wie auf den folgenden Bildern (also eher Risse) an Bäumen die sich in exponierten Lagen befinden, beispielsweise auf der Bergkuppe, dann handelt es sich um Schäden durch Blitzeinschlag. Wenn der Baum außen vollständig nass ist, sucht sich der Blitz einen Weg am Stamm hinab und hinterlässt dabei einen solchen Schaden. Der Riss wird auch als „Blitzrinne“ bezeichnet.

Ist der Stamm äußerlich nicht (vollständig) nass, dann sucht sich der Blitz seinen Weg durch das Innere des Baumes. Beim Einschlag des Blitzes verdampft augenblicklich das im Stamm befindliche Wasser und lässt diesen aufreißen oder auch regelrecht explodieren.

Ursache 6: „Unabsichtlicher Schaden bei Forstarbeiten – Rückeschaden“

Eine solche Verletzung am Baum mit mehr quer verlaufenden Rissen (eher Abschürfungen) ist typisch für Forstarbeiten. Ein unabsichtlich entstandener Rückeschaden.

Rückeschaden an Fichte

Ursache 7: „Mutwillige und absichtliche Verletzung des Baumes“

Die unerlaubte und absichtliche Verletzung von Bäumen wird auch Baumfrevel genannt. Es kann sich dabei um eine strafbare Sachbeschädigung handeln! Nachfolgend ein Beispiel, bei dem jemand Birkenrinde (vermutlich zur Verwendung als Zunder) in einer dem Baum schädigenden Form entnommen hat… Liebe Mitmenschen, das geht auch anders!!!

Viel Freude draußen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.