Kennst Du den typischen Geruch von Regen an einem warmen Sommertag? Bestimmt! Warum das so ist, das erfährst Du in meinem heutigen Beitrag!

Warum und wonach riecht der Regen an einem Sommertag überhaupt?
Der „Regengeruch“, den Du kennst, hat sogar einen Namen: Petrichor. Und eigentlich ist es gar nicht der Regen, also die Wassertropfen, die so riechen, sondern der Geruch entsteht ursprünglich bereits in der trockenen Erde.
Wenn es längere Zeit trocken ist, dann scheiden bestimmte Pflanzen Öle aus, die vom Boden aufgenommen werden. In der Erde leben zudem Mikroorganismen, die bei Trockenheit den Stoff Geosmin bilden. Geosmin und die Pflanzenöle bilden zusammen diesen charakteristischen und unverwechselbaren Geruch, Petrichor.

Wenn die Regentropfen nun auf die trockene Erde aufprallen, werden Geosmin und die Pflanzenöle freigesetzt. Sie steigen in winzig kleinen Bläschen in die Luft auf, platzen und die dabei verteilten Aerosole verströmen dann den typischen Regengeruch.
Dass Wandern im Regen auch Spaß macht, dazu habe ich Dir in diesem Beitrag auch schon mehr erzählt: Wandern im Regen? – Na klar!
Menschen riechen Regen 200.000-mal besser als Haie Blut
Und was ist jetzt an dieser reißerischen Überschrift „Menschen riechen Regen 200.000-mal besser als Haie Blut“ dran? Hört sich erstmal ziemlich übertrieben an, im Kern aber wissenschaftlich schnell erklärt:
Du hast zuvor schon erfahren, dass nicht der Regen selbst riecht, sondern die Öle und der Stoff Geosmin. Und dieser ist die Erklärung für die Überschrift. Die American Chemical Society gibt an, dass die menschliche Nase den Stoff Geosmin in einer Konzentration von nur 5ppt (part per trillion), also von nur 5 Teilen Geosmin in 1 Billion Teile Luft, wahrnehmen kann. Und nun kommt einfach ein mathematischer Vergleich. Haie können Blut im Meerwasser in einer Konzentration von etwa 1ppm (part per million) wahrnehmen. Also 1 Teil Blut in 1 Million Teile Wasser. Die spektakuläre Zahl „200.000-mal“ ist also ein rein mathematischer Vergleich.
Warum wir den Regengeruch als angenehm empfinden
Menschen riechen natürlich nicht im allgemeinen besser als Haie. Aber erstaunlich ist es schon, dass die Evolution dafür gesorgt hat, dass wir bei einem ganz bestimmten natürlich gebildeten Stoff (Geosmin) so eine erstaunlich empfindliche Wahrnehmung haben.
Geosmin ist für uns Menschen so intensiv, dass sehr winzige Mengen ausreichen, um sofort den vertrauten Geruch nach „nassem Boden“ auszulösen.



Geosmin wird von Mikroben, einschließlich der Bakteriengattung Streptomyces, produziert. Insbesondere wenn sie sterben. Forscher haben herausgefunden, dass der Geruch von Geosmin auch auf bodenbewohnende Arthropoden (z.B. Springschwänze) eine sehr hohe Anziehungskraft ausübt. Diese ernähren sich wiederum vom Bakterium Streptomyces und sorgen dabei für eine weitere Verbreitung des Bakteriums. Denn dieses bildet, so wie Pilze, Sporen. Die Sporen werden dann von den Arthropoden weiter getragen.
Der „Regengeruch“ Petrichor hilft also den Arthropoden dabei, ihre Nahrung zu finden. Und diese wiederum sorgen dafür, dass sich das Bakterium Streptomyces weiterverbreiten kann. Ein kleiner natürlicher Lebenskreislauf. Und unsere genetischen Rezeptoren für Geosmin sind über 100 Millionen Jahre der Säugetier-Evolution erhalten geblieben 😉
Viel Freude draußen! Auch (und gerade dann) wenn es regnet!
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